für Hans-Joachim Gehrke zum 28. Oktober 2025
“Die Thraker jener Gegend haben Säulen als
Grenzmarken aufgestellt, und jeder Stamm
plündert das, was in seinem Abschnitt strandet.
Bevor sie Grenzen zogen, hätten sie, nach ihren Berichten,
sich gegenseitig ausgeplündert und viele getötet1.”
Einleitende Bemerkungen
Niemand wird bestreiten, dass Grenzen von fundamentaler Bedeutung für menschliche Gesellschaften sowie ein zentrales Thema in der Geschichte sind2. Dies gilt auch für die antike griechische Welt. Nicht zuletzt aufgrund der oftmals Konflikte bedingenden Kleinräumigkeit der griechischen Staatenwelt lässt sich dort einerseits seit der archaischen Zeit eine starke Fokussierung auf Grenzen zwischen politischen Gemeinschaften und deren möglichst exakte Bestimmung beobachten. Nicht weniger wichtig aufgrund der nachgerade explosiven Konflikthaftigkeit im Inneren der zahlreichen griechischen Gemeinwesen ist andererseits ebenfalls seit archaischer Zeit zu beobachten, dass auch dort dem Thema der Grenzen – und zwar von Grenzen innerhalb der Polisterritorien sowie zwischen Besitz – ein hohes Maß an Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Thema der ‚griechischen Grenzen‘ in den letzten Jahrzehnten in der altertumswissenschaftlichen Forschung immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert worden ist3.
Die Bedeutung klar definierter Grenzen zwischen und innerhalb von politischen Einheiten lässt sich instruktiv an einem ebenso aufschlussreichen wie bekannten Beispiel aus Mittelgriechenland veranschaulichen. Gegen Ende des vorletzten Jahrzehnts des dritten vorchristlichen Jahrhunderts wurden (auswärtige) Richter aus dem aitolischen Kalydon ausgewählt, um eine Sympolitie zwischen den beiden kleinen, in der thessalischen Phthiotis gelegenen Poleis Melitaia und Pereia zu organisieren. Dieser Akt der politischen Integration ging mit einer klaren Grenzziehung zwischen den beiden ursprünglichen politischen Gemeinwesen einher. Um für den Fall einer späteren Auflösung der Sympolitie das Konfliktpotenzial vorab zu begrenzen, wurde die Grenzlinie so genau wie möglich bestimmt – und so lautet der Text in der entsprechenden Passage der Regelungen der Sympolitie, die an vier Orten, nämlich in Melitaia, Kalydon, Thermos und Delphi, veröffentlicht wurde4, wie folgt:
Die Grenzen des Territoriums für die Melitaier und Pereer sollen sein, wo der Akmeus in den Europos mündet und vom Akmeus an die Quelle des Galaios und vom Galaios zur Kolona und von der Kolona zum Hermesheiligtum auf den Eurynia und von den Eurynia von den Höhen herab, wie das Wasser in den Europos fließt, vom Europos zum Elipeus, vom Elipeus zum Hain, der zum Weinberg führt, vom Weinberg über die Höhen zum Hypaton, vom Hypaton zum Kerkineus, vom Kerkineus an die Mynis, von der Mynis an den Europos, zum Zusammenfluss des Skapetaios und des Europos …5.
Doch soll es in vorliegendem Beitrag nicht um Grenzen und Grenzziehungen in der politischen Praxis in der Welt der griechischen Städte, Bünde oder auch Königreiche gehen. Vielmehr ist der Blick auf eine Gruppe von Männern in der griechischen Welt zu richten, die zwar durchaus regelmäßig und aktiv am politischen Leben partizipierten, aber ihre (rezipierten) Spuren weniger im Feld der Praxis als im Feld der Theorie hinterlassen haben: Die Rede ist von den Philosophen archaischer bis hellenistischer Zeit. Wie behandelten sie in ihren Texten Grenzen, welche Rolle spielte die Diskussion von Grenzen in ihren Werken?
Dabei soll es nicht um die Frage nach philosophischen Erörterungen um das Wesen von Grenzen der Art gehen, wie sie etwa Aristoteles im fünften Buch seiner Metaphysik vorgelegt hat6, oder beispielsweise um die Trennung von verschiedenen, hierarchisierten Lebensbereichen – Körperlichkeit und Sinnlichkeit, Geist und Scheinbildung, Wissen und Tugend – wie in der allegorischen Stadt ‚Leben‘ durch drei konzentrische Mauerringe in der Bildtafel des Kebes, einem anonymen Werk des ersten nachchristlichen Jahrhunderts7. Vielmehr steht die Frage nach dem Umgang mit Grenzen zwischen und innerhalb politischer Gemeinwesen in den Werken griechischer Philosophen im Zentrum des Interesses. Und da es sich um einen Beitrag zur Frage nach den in philosophischen Texten präsentierten Grenzkonzeptionen und -imaginationen durch ihre Autoren handelt, bleibt die grundsätzlich wichtige Frage nach historischen Bezugnahmen durch die Philosophen unberücksichtigt, stellt dies doch ein eigenständiges Thema für einen eigenen Beitrag dar. Erwähnt sei an dieser Stelle aber ein womöglich überraschender Passus aus der (pseudo-)aristotelischen Athenaion Politeia, der deskriptiv auf eine virtuell zu denkende Grenze im Polisterritorium von Athen verweist und zugleich exemplarisch zu indizieren vermag, in welch verschiedenen Kontexten Grenzen in der griechischen Welt existierten und wie vielfältig sie in ihrer Funktion gewesen sind:
Sie (sc. die Stadtaufseher) wachen auch darüber, daß keiner der Unratsammler innerhalb von zehn Stadien vor der Stadtmauer Unrat ablädt8.
Den nachfolgenden Überlegungen ist die Feststellung vorauszuschicken, dass in Übereinstimmung mit dem vorherrschenden Interesse der griechischen politischen Philosophie die Diskussion über die interne Aufteilung der Gebiete, die das Territorium eines Gemeinwesens ausmachen, quantitativ umfangreicher ist als die Diskussion über die Außengrenzen – auch wenn sich etwa in der (pseudo-)aristotelischen Athenaion Politeia im Kontext der Schilderung der kleisthenischen Neuordnung Athens und Attikas keine Hinweise auf oder gar Erörterungen über die im Rahmen dieser politischen Neustrukturierung des athenischen Gemeinwesens notwendigerweise erfolgten Grenzziehungen finden9, und Aristoteles sich in der Politik nicht mit der Frage nach Grenzen innerhalb der Koina im Zusammenhang mit seiner kurzen Erwähnung dieser die griechische Welt zu seinen Lebzeiten wesentlich prägenden politischen Organisationsform befasst hat10.
Platon und die (naturräumlichen) Grenzen Attikas
Strukturell nicht allzu verschieden von der Darstellung der Grenzline zwischen Melitaia und Pereia in der Regelung der Sympolitie zwischen diesen beiden Poleis klingt eine Passage in Platons Dialog Kritias, in der der platonische Kritias die Grenzen des attischen Territoriums beschreibt – eine der nicht sehr zahlreichen Stellen in der antiken philosophischen Literatur, in der die Außengrenze eine Polisterritoriums thematisiert und vor allem auch anhand geographischer Gegebenheiten beschrieben wird:
Es wurde nun ferner auch die Beschaffenheit unseres Landes überzeugend und wahrheitsgemäß dargestellt: daß nämlich erstens die Grenzen, die es in der damaligen Zeit hatte, am Isthmos abgesteckt waren und, was das übrige Festland betraf, bis zu den Höhen des Kithairon und des Parnes, und daß die Grenzen (von dort) herabliefen, indem sie zur Rechten das Gebiet von Oropos hatten und zur Linken – zum Meer hin gewendet – als Markierung den Fluß Asopos (…)11.
Während es sich bei der Thematisierung der Grenzen Attikas im platonischen Kritias um eine letzten Endes wenig elaborierte Beschreibung anhand geographischer Merkmale handelt, finden sich in philosophischen Erörterungen der theoretisch-konzeptionellen Binnengliederung eines Polisterritoriums Ausführungen, die nicht an geographischen Gegebenheiten interessiert sind, sondern von staatstheoretischen Ideen geprägt sind – und diese Aussage gilt nicht nur für Platon, sondern etwa auch für Hippodamos von Milet.
Hippodamos von Milet und die Dreiteilung des Polisterritoriums
Niemand geringeres als Aristoteles schrieb in der Politik über Hippodamos, dass „dieser (…) es als erster unter denen, die nicht aktive Staatsmänner waren, unternommen (hat), den Entwurf eines besten Staates zu geben12.“ In diesem frühesten theoretischen Staatsentwurf aus der Feder eines zugegebenermaßen nur im weiteren Sinne als Philosophen zu betrachtenden Autors findet sich – in den Worten des Aristoteles – auch die folgende Bestimmung13:
In drei Teile unterteilte er (sc. Hippodamos) auch das Land: in Tempelland, Gemeinde- und Privatland – vom Tempelland sollte man die herkömmlichen Verpflichtungen gegenüber den Göttern bestreiten, vom Staatsland sollten die Krieger ihren Lebensunterhalt beziehen, das Privatland sollte den Bauern gehören14.
Nichts lässt Aristoteles in seinem Referat des hippodamischen Staatsentwurfs über die Grenzziehungen und Grenzen zwischen den drei verschiedenen Landkategorien verlauten, nichts ist über die Parzellierung und Begrenzung des Privatlandes zu erfahren, obschon letzteres Thema durchaus im Fokus philosophischer Aufmerksamkeit und Interessen stehen konnte15 – allein die Dreiteilung des Landes, die mit der Zuweisung der Drittel an bestimmte Funktionen beziehungsweise Funktionsgruppen innerhalb der Polis einhergeht, tritt deutlich zu Tage.
horoi, Platons Nomoi und Theophrasts Charaktere
Das Interesse seitens der Philosophen an Grenzen innerhalb eines Polisterritoriums zeigt sich exemplarisch im achten Buch von Platons Nomoi, in einem Passus, der den ernsten Hintergrund einer ironisch-kritischen Bemerkung Theophrasts in seinen Charakteren zu den Eigenheiten des ‚Kleinlichen‘, „der jeden Tag seine (Grundstücks-)Grenzen inspiziert, um sicherzugehen, dass sie die gleichen bleiben“16, schlaglichtartig beleuchtet und in einem anderen Licht erscheinen lässt. Seine Ausführungen zu den Aufgaben des Gesetzgebers im Zusammenhang mit der Sicherstellung der Ernährung des Gemeinwesens beginnt der platonische Athener allerdings nicht allein mit Einlassungen zu den Grenzen zwischen Grundbesitz innerhalb einer politischen Gemeinschaft; vielmehr erweitert er seine Erörterungen auch auf zwischenstaatliche Grenzen. Seine Überlegungen zu ‚Landwirtschaftsgesetzen‘ lässt er nämlich auf folgende Art und Weise mit der Thematisierung des Schutzes von Grenzen beginnen:
Als erstes sollen also Gesetze aufgestellt sein, die Landwirtschaftsgesetze heißen mögen. Von Zeus, dem Hüter der Grenze, stammt das erste Gesetz, das folgendermaßen lauten soll: Niemand soll die Grenzen der Nachbarn verrücken, sei dies nun ein befreundeter Mitbürger oder ein Grenzanwohner (falls jemand an der äußersten Landesgrenze Boden besitzt und daher einen Fremden zum Nachbarn hat), weil er überzeugt sein soll, daß dies wahrhaftig ein Verrücken des Unverrückbaren wäre. Vielmehr soll jedermann lieber den größten Felsbrocken, sofern er keine Grenze markiert, wegzurücken gewillt sein als einen kleinen Stein, der die Grenze zwischen Freundschaft und Feindschaft bildet und durch einen Schwur bei den Göttern geheiligt ist. Denn Zeuge für den einen ist Zeus, der Schützer des Phylengenossen, für den anderen Zeus, der Schützer des Fremden, die zu reizen die feindseligsten Kriege zur Folge hat. Wer also dem Gesetz gehorcht, der wird das Übel, das daraus entstehen könnte, nicht zu spüren bekommen; wer es aber mißachtet, der soll einer doppelten Strafe verfallen, einmal und als erstes seitens der Götter und zweitens durch das Gesetz. Niemand soll nämlich willentlich die Grenzen des Nachbarn verrücken; wer sie aber verrückt, den soll jeder, der will, bei den Grundbesitzern anzeigen, diese sollen ihn vor das Gericht führen; wenn aber einer in einem derartigen Prozeß schuldig gesprochen wird, soll in der Annahme, daß der Schuldige heimlich und mit Gewalt das Land neu aufteilen wollte, das Gericht abschätzen, was der Überführte erleiden oder bezahlen soll17.
Neben der fundamentalen Bedeutung der Wahrung von Grenzen innerhalb politischer Gemeinwesen und zwischen Poleis zur Vermeidung von gewaltsamen Konflikten, was durch das Rekurrieren auf Zeus Horios, den Hüter der Grenze, und die dadurch bedingte göttliche Legitimierung des Gesetzes markant hervorgehoben wird18, hat Platon insbesondere auch interne Grenzen im Kontext der Schaffung von Gemeinwesen im Blick, deren Existenz und Wahrung von fundamentaler Bedeutung, ja geradezu die Voraussetzung für ein gelingendes und konfliktfreies Zusammenleben der Bewohner einer Polis sind. Die Grenzüberschreitungen zugeschriebene Gefahr zeigt sich in aller Deutlichkeit auch in der folgenden Textpassage, die an den vorangehenden Passus im achten Buch der platonischen Nomoi unmittelbar anschließt:
Sodann gibt es viele kleine Schädigungen der Nachbarn, die durch ihre Häufigkeit einen gewaltigen Berg von Feindschaft erzeugen und so die Nachbarschaft zu einer schwierigen und sehr bitteren Sache machen. Deshalb muß man sich unbedingt in acht nehmen, daß man als Nachbar nichts tut, das zu einem Streit mit dem Nachbarn führt, indem man sich unter anderem besonders vor jedem Übergreifen auf fremden Boten hütet. Denn Schaden anzurichten ist nicht schwer, sondern das kann jeder; aber etwas Nützliches zu tun ist keineswegs jedermanns Sache. Wer also den Boden des Nachbarn bearbeitet, indem er seine Grenzen überschreitet, der soll den Schaden ersetzen; und um von seiner Unverschämtheit und Niederträchtigkeit geheilt zu werden, soll er daneben noch den doppelten Betrag des Schadens an den Geschädigten zahlen. Sachverständige, Richter und Abschätzer in diesen und allen derartigen Fällen sollen die Landaufseher sein, und zwar bei schweren Vergehen, wie bereits früher gesagt worden ist, die ganze Abteilung des betreffenden Landeszwölftels, bei geringfügigeren ihre Wachkommandanten. Und wenn jemand sein Vieh auf fremdem Land weidet, sollen diese die Schäden in Augenschein nehmen, das Urteil fällen und die Strafe abschätzen. Und wenn jemand fremde Bienenschwärme in seinen Besitz bringt, weil er seinem Vergnügen an Bienen nachgibt, und sie sich durch Herunterschütteln aneignet, soll er den Schaden wiedergutmachen. Und wenn jemand beim Feuermachen nicht auf den Wald achtgibt, der zum Besitz des Nachbarn gehört, soll er mit der den Beamten angemessen erscheinenden Geldbuße bestraft werden. Ebenso wenn jemand beim Anpflanzen nicht den angemessenen Abstand vom Land des Nachbarn einhält – wie dies auch schon von vielen Gesetzgebern klar genug feststellt worden ist, deren Gesetze man benutzen soll, anstatt zu verlangen, daß für all die vielen Kleinigkeiten, zu deren Regelung der erste beste Gesetzgeber imstande ist, der größere Ordner der Stadt Gesetze geben soll19.
Die hohe Bedeutung, die Platon dem Schutz von Eigentumsgrenzen in einem Gemeinwesen zumaß, machen die angeführten Stellenpassage mehr als deutlich. Doch hat sich Platon nicht nur mit der Wahrung von Grenzen zwischen Grundstücken in seiner Idealstadt befasst, sondern er hat auch über die Anlage einer Polis sowie deren Untergliederung und die Verteilung von Grundbesitz innerhalb des Polisterritoriums nachgedacht – und zwar stets aus der Perspektive der inneren Stabilität der Polis.
Platonische Perspektiven zu Grenzsetzung und Binnengliederung eines Gemeinwesens
Es ist im fünften Buch seiner Nomoi, dass sich Platon eingehend mit der Frage nach der idealen Anlage einer Polis befasst hat – und folgende ideale Stadtanlage entworfen hat:
Danach soll man zunächst die Stadt möglichst in der Mitte des Landes anlegen und hierfür einen Platz wählen, der auch alle sonstigen Voraussetzungen aufweist, die für eine Stadt von Vorteil sind; diese zu erkennen und aufzuzählen ist gar nicht schwer. Danach soll man eine Zwölfteilung vornehmen, indem man zuerst ein Heiligtum der Hestia, des Zeus und der Athene errichtet, das man ‚Akropolis‘ nennt und mit einer Ringmauer umgibt, von wo aus man die eigentliche Stadt und das ganz Land in zwölf Sektoren zerlegt. Diese zwölf Sektoren müssen aber dadurch gleich werden, daß die aus gutem Boden bestehenden klein und di aus schlechterem größer ausfallen. Ferner soll man das Land in 5040 Lose zerlegen, von diesen jedes wiederum in zwei Teile zerlegen und zwei Teile zu einem Los zusammenfassen, so daß jedes Los sowohl einen Anteil an dem nahe dem Zentrum gelegenen Land wie auch an dem weiter draußen liegenden Land besitzt: der unmittelbar bei der Stadt gelegene Teil soll mit dem an der Grenze in Los bilden und der zweite von der Stadt aus mit dem zweiten von der Grenze aus und so weiter. Man soll aber auch bei den Zweiteilungen das eben genannte Verfahren hinsichtlich der Schlechtigkeit und Vorzüglichkeit des Bodens befolgen, indem man durch die Größe bzw. Kleinheit des zugeteilten Landes einen Ausgleich schafft20.
Soweit Platons Ausführungen zur Aufteilung des städtischen Territoriums mit dem Ziel, innere Stabilität in der (idealen) Polis zu gewährleisten. Zwei Punkte sind in diesem Kontext anzusprechen, die Platon an dieser Stelle nicht thematisiert: zum einen ist dies die Frage nach Stadtmauern als fortifikatorischem Faktor und markanter Grenze des städtischen Territoriums, als die Stadtmauern zumindest literarisch in den ‚Einkleidungen‘ vieler platonischer Dialoge dienen21, zum anderen die Frage, ob Platon die Grenzen des Umlandes zu einer Nachbarpolis markieren wollte. Zur ersten Frage ist zu sagen, dass Platon jenseits der narrativen Funktion Stadtmauern gegenüber aus moralisch-didaktischen, in gewisser Weise zweifelsohne ‘spartanischen’ Erwägungen heraus skeptisch eingestellt war22, eine Position, die Aristoteles im siebten Buch seiner Politik heftig und als nicht mehr zeitgemäß kritisierte23; zur zweiten Frage ist festzuhalten, dass die verschiedentlich in diesem Zusammenhang angeführte Passage aus dem sechsten Buch der Nomoi, dass man „die Heiligtümer (…) rings um den ganzen Markt und rings um die ganze Stadt im Kreis an hochgelegenen Plätzen erbauen“ solle24, zumindest nicht eindeutig auf die Außengrenzen des Polisterritoriums bezogen werden kann25.
Platonische Territorialverteidigung
Neben der Bedeutung der Grenzen im innerhalb einer Polis stellte für Platon – vor dem Hintergrund seiner historischen Erfahrungen kaum überraschend – auch die Verteidigung des städtischen Territoriums und damit auch von dessen Grenzen einen wichtigen Aspekt dar. Im sechsten Buch der Nomoi finden sich dazu die folgenden Ausführungen:
Während des Aufenthaltes in den einzelnen Bezirken sind sie (sc. die Landaufseher und Kommandanten) für folgendes verantwortlich: Erstens daß das Land möglichst gut gegen die Feinde geschützt ist, indem sie Gräben ziehen, soweit es nötig ist, und ausschachten und durch Befestigungsbauten nach Möglichkeit diejenigen fernhalten, die das Land und das Vieh irgendwie zu schädigen zu versuchen; hierzu sollen sie die Gespanne und die Sklaven im jeweiligen Bezirk heranziehen und durch diese die Arbeiten ausführen und sie dabei beaufsichtigen, wofür sie nach Möglichkeit Zeiten wählen sollen, wo diese von ihren eigenen Arbeiten frei sind.26.
Die von Platon in diesem Passus dargelegt Verteidigungsstrategie besteht aus zwei taktischen Vorgehensweisen – einerseits aus defensiven Maßnahmen, die das Polisterritorium in seiner räumlichen Tiefe betreffen und andererseits aus fortifikatorischen Maßnahmen, die (auch) die Grenzsicherung betreffen und dadurch auch die Grenze im Raum markieren27. Zugleich wird in diesem Passus auch deutlich, dass sich bei aller Relevanz der fortifikatorischen Arbeiten ‚staatlicherseits‘ der autorisierte Zugriff auf Gespanne und Sklaven aus dem lokalen Bezirk nach Möglichkeiten in bestimmten Grenzen zu halten hat.
Aristoteles’ Grenzkonzeptionen
Zu den frühen und scharfen Kritikern Platons gehört sein Schüler Aristoteles – und so nimmt es nicht wunder, dass dieser seinen Lehrer auch in Fragen bezüglich von Grenzen und Territorium kritisiert. Im zweiten Buch der Politik tut Aristoteles dies in mehrfacher Hinsicht – und zwar auf die folgende Weise:
Außergewöhnliche Ideen, geistreiche Erfindung, Kühnheit der Neuerungen und eindringliches Forschen weisen alle Gespräche des Sokrates auf; daß aber alle (politischen Regelungen, die auf diese Weise zustandekamen) auch richtig sind, ist doch wohl schwer zu erreichen. Denn auch bei der eben angeführten Menge (der Krieger) darf man nicht übersehen, daß eine solche Zahl das Territorium von Babylon erforderte oder ein anderes mit unendlichen Ausmaßen, aus dem sich 5000 Männer, die nicht produktiv tätig sind, und zusätzlich neben ihnen eine vielfache Menge von Frauen und Bediensteten ernähren können. Zweifellos soll man wunschgemäße Bedingungen fordern, dabei aber doch nicht gerade Unmögliches. Es heißt aber, der Gesetzgeber solle bei der Formulierung der Gesetze auf zwei Dinge sein Augenmerk richten: auf das Territorium und die Menschen. Aber es wäre sinnvoll, noch hinzuzufügen: Augenmerk auch auf die benachbarten Regionen, zuerst für den Fall, daß ein Staat nicht ein Leben in Selbstisolierung führt, sondern sich eine Existenzweise wählen muß, bei der eine aktive Rolle unter Staaten spielt; in diesem Falle ist es unumgänglich, sich nicht auf solche Waffen für den Krieg zu beschränken, die auf dem eigenen Territorium nützlich sind, sondern auch über solche zu verfügen, die den topographischen Bedingungen außerhalb des eigenen Staatsgebietes angepaßt sind. Wenn aber jemand eine solche Existenzweise nicht billigt – weder für das Individuum noch für die Gesamtheit des Staates –, so müssen trotzdem (Vorkehrungen getroffen sein, daß) die Krieger in der Lage sind, auf die Feinde abschreckend zu wirken, nicht nur, wenn diese in das Territorium eindringen, sondern auch noch, nachdem sie abgezogen sind. Man muß aber auch überlegen, ob man den Umfang des Grundbesitzes nicht besser auf andere Weise, nämlich exakter, bestimmen kann28.
Sehr viel später, jedoch an den vorangehenden Passus anschließend, findet sich im achten Buch von Aristoteles’ Politik folgender Gedankengang:
Es wurde zuvor ausgeführt, dass das Land denen gehören soll, die über schwere Waffen verfügen und an der (Leitung des) Staates mitwirken, außerdem, dass die Ackerbauern eine von ihnen verschiedene Gruppe bilden sollen, und (schließlich) welche Größe und Beschaffenheit das Land besitzen soll. Über seine Aufteilung wollen wir nun zuerst sprechen. (…). Es ist daher unumgänglich, dass das Land in zwei Arten unterteilt ist: ein Teil muss der Gemeinschaft, der andere Privatleuten gehören. Jede dieser beiden Formen von Grundbesitz muss weiter unterteilt sein: von dem einen Teil des öffentlichen Landes muss man die Aufwendungen im Dienste der Götter bestreiten, von dem anderen die für die gemeinsamen Mahlzeiten. Vom Grundbesitz in privater Hand soll ein Teil zur Landesgrenze hin, der andere nahe bei der Stadt gelegen sein; denn wenn jedem zwei Landlose zugeteilt werden, dann kann man erreichen, dass alle Bürger in beiden Regionen beteiligt sind. Diese (Aufteilung) bringt ja Gleichheit, Gerechtigkeit und größere Einigkeit im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen mit den Nachbarn (und dies ist von Vorteil); denn wenn man nicht so verfährt, bleiben die einen bei Feindseligkeiten mit den Nachbarn ganz gleichgültig, während die anderen sich zu stark und in beschämender Weise engagieren. Deswegen schreibt bei einigen ein Gesetz vor, dass (Bürger, deren Land) nahe dem der Grenznachbarn (liegt), von Beratungen über Kriege gegen sie ausgeschlossen werden, da ihr persönliches Interesse ihre Fähigkeit, eine Entscheidung zu treffen, korrumpieren müsse. Aus den genannten Gründen muss das Land in der beschriebenen Weise aufgeteilt sein29.
Bei aller deutlichen Kritik des Aristoteles an Platons Ideen wird doch deutlich, dass auch für ihn die Frage der Vermeidung von aus Grenzfragen herrührenden Konflikten ein zentrales Anliegen gewesen ist – nicht umsonst erwähnt er im sechsten Buch der Politik das Amt der Astynomen, die unter anderem für die „Aufsicht über die gegenseitigen Grundstücksgrenzen“ verantwortlich waren, „um zu vermeiden, dass diese angefochten werden“30, auch wenn in der Athenaion politeia bei der Beschreibung der Aufgaben der Astynomen die Grundstücksgrenzaufsicht31 und das auch in Athen im vierten vorchristlichen Jahrhundert epigraphisch und in der Rede des Hypereides Für Euxenippos bezeugte Amt der horistai nicht erwähnt werden32.
Jenseits der Theorie: Zwei aus der Gruppe der Sieben Weisen sowie Philosophen und ihre Involvierung in Territorialkonflikte – zwei Beispiele aus archaischer und hellenistischer Zeit
Die bisherigen Ausführungen haben in das Reich der Theorie geführt und philosophische Konzeptionen von Grenzen thematisiert. Im Folgenden soll es um zwei Fälle von Grenzstreitigkeiten gehen, in denen mit Pittakos von Mytilene und Periander von Korinth beziehungsweise mit Karneades von Kyrene, Kritolaos von Phaselis und Diogenes von Babylon zwei Männer aus der Gruppe der Sieben Weisen sowie drei Scholarchen athenischer Philosophenschulen jenseits der Theorie in die politische Praxis der Konfliktlösung und – entschärfung involviert waren.
Athen, Mytilene und ein Schiedsspruch des Tyrannen und Weisen Periander von Korinth
Gegen Ende des siebten vorchristlichen Jahrhunderts wurde der Anführer einer athenischen Unternehmung in die kleinasiatische Troas, der Olympiasieger Phrynon, in einem Zweikampf vom Befehlshaber eines feindlichen Heeres, Pittakos von Mytilene auf Lesbos, später Tyrann seiner Heimatstadt und unter die Sieben Weisen gerechnet, unter Anwendung eines Tricks getötet33. Späterhin., um die Mitte des sechsten vorchristlichen Jahrhunderts, kam es zu einem den athenisch-mytilenischen Konflikt regelnden Schiedsspruch des korinthischen Tyrannen Periander, der in der Antike ebenfalls zu den Sieben Weisen gezählt wurde:
Und im Streit zwischen Athen und Mytilene um das Gebiet von Achilleitis war er (sc. Pittakos) selbst Stratege, während Phrynon, Olympiasieger im Pankration, die Athener befehligte. Mit diesem vereinbarte er ein Duell; dabei warf er ihm ein hinter dem Schild verstecktes Netz über, tötete ihn und gewann das Land zurück. Später entstand nach Apollodor (Chronika) zwischen Athen und Mytilene wegen des Landes ein Rechtsstreit, den Periander als zuständiger Richter zugunsten Athens entschied34.
Athen, Oropos und die Philosophengesandtschaft
Mehr als 400 Jahre nach dem Schiedsspruch des Periander waren im Jahre 155 v.Chr. gleich drei Philosophen in einen Jahrhunderte alten Grenzkonflikt involviert den Eratosthenes als eines seiner Beispiele für Grenzdiskussionen und – streitigkeiten in der griechischen Welt anführt35 – im Rahmen einer Gesandtschaft, und zwar einer der berühmtesten griechischen Gesandtschaften nach Rom: der sogenannten Philosophengesandtschaft zur Reduzierung der athenischen Strafsumme im bereits lange wärenden Grenzkonflikt zwischen Athenern und Boiotern um die Polis Oropos36.“
Diese Gesandtschaft, bestehend aus den drei Scholarchen der Akademie, des Peripatos und der Stoa – nämlich Karneades von Kyrene, Kritolaos von Phaselis und Diogenes von Babylon – hat in der Forschung vielfach mehr Aufmerksamkeit wegen der philosophischen Vorträge in den Häusern der römischen Senatorenschaft und Catos vermeintlicher Ausweisung der Philosophen aus Rom erhalten37 als wegen ihrer erfolgreichen Verhandlungstätigkeit, die zu einer erheblichen Reduzierung der von den Athenern an Oropos zu zahlenden Strafsumme führte, was den dankbaren Athenern die Verleihung des athenischen Bürgerrechtes sowie die Errichtung eines Denkmals in Olympia wert war38.
Abschließende Bemerkungen
Auch wenn griechische ‚Weise‘ und Philosophen keineswegs ein Leben führten, dass jenseits der Politik stattfand, sie sogar vereinzelt in Grenzkonflikte und deren Regelung involviert waren, so ist doch festzuhalten, dass in ihren theoretischen Erörterungen auswärtige Grenzen politischer Gemeinwesen nur eine geringe Rolle spielten. Dieser Aspekt dürfte sich mit ihrem grundsätzlich eher gering ausgeprägten Interesse an auswärtiger Politik im Kontext ihrer ‚staatsphilosophischen‘ Schriften plausibel erklären lassen: Die Frage nach einer Ordnung zwischenstaatlicher Beziehungen zwischen Gemeinwesen in der hellenischen Welt, um die unzähligen auswärtigen Grenzkonflikte und Kriege zu vermeiden – von die hellenischen Grenzen überschreitenden Überlegungen ganz zu schweigen –, lag jenseits der schriftlich niedergelegten Reflexionen der Philosophen.
Das gering ausgeprägte Interesse der Philosophen an politisch polisübergreifenden Fragestellungen steht dabei in deutlichem Gegensatz etwa zu rhetorischen Autoren wie Gorgias von Leontinoi oder dem Athener Isokrates, Zeitgenossen von Platon und Aristoteles: Anders als für die beiden Redner (und unzählige weitere Autoren) besaß für diese beiden wie auch zahllose andere Philosophen die panhellenische Dimension einer ‚gesamtgriechischen Grenzordnung‘, im Rahmen der zeitgenössischen Diskussion um die koine eirene ein überaus präsentes Thema39, keine größere Bedeutung in ihren theoretischen Überlegungen, obschon sie Zeitzeugen zahlloser innergriechischer Kriege waren, die etwa der philosophisch gebildete Sokratesschüler Xenophon in seinen Hellenika behandelte – und der, wie das eingangs verwandte Zitat beispielhaft zeigt, um die Bedeutung von klaren Grenzen zwischen Gemeinschaften durchaus wusste.
Diese Beobachtung wirft ein bezeichnendes Streiflicht auf die Grenzen des Interesses der Philosophen für das Politische und dessen Konzeption: Für Platon und Aristoteles, aber auch für Hippodamos sowie eigentlich alle anderen Philosophen archaischer bis hellenistischer Zeit, die sich mit dem Politischen befassten, stand in ihren philosophischen Werken die Frage nach der inneren Ordnung und Stabilität, den Gesetzen, der Verfasstheit und der Verfassung im Zentrum ihrer Überlegungen – und zwar vor allem, ja eigentlich ausschließlich hinsichtlich der Polis als politischer Organisationsform. Trotz vielfach zu beobachtender Interdependenzen von äußeren Kriegen zwischen Poleis und inneren Konflikten in den Poleis waren für die Philosophen außenpolitische Fragen – und damit das vielfältige, wenn auch oftmals nicht erfolgreiche Bemühen um Friedensordnungen griechischer Akteure in der realen Alltagspolitik40 – kein Thema.
Die in philosophischen Texten deutlich präsentere Perspektive auf die Frage nach Grenzen innerhalb griechischer Poleis als zwischen Gemeinwesen zeigt exemplarisch und markant die Fixierung griechischer Philosophen auf das Innenleben der Polis auf – hinsichtlich von Grenzen auf die ‚politisch-administrativen‘, oftmals auch sozial gedachten Binnengrenzen ebenso wie auf die Besitzgrenzen. Die angemessene Konzeption und Wahrung von Grenzen in den Poleis wurde als ein zentrales Element der Grundlage einer guten Ordnung für die Polisgesellschaft angesehen41, war eine conditio sine qua non für ein konflikt- und bürgerkriegsfreies Funktionieren der Polis – und damit des guten menschlichen (Zusammen-)Lebens in derjenigen politischen Organisationsform, die das politische Denken griechischer Philosophen dominierte.
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Noten
* Für die Einladung zum Workshop Territoires multiples. Nomi, definizioni, lessico im Rahmen des Projektes TeMAES (Territoires multiples: agentivité et environnements socio-économiques) der École française d’Athènes und der Università Ca’ Foscari im Juni 2022 nach Venedig gilt mein herzlicher Dank Stefania De Vido. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bin ich für anregende Diskussionen dankbar. Aufgrund der Quellenlage stellen die nachfolgenden Ausführungen eher eine kommentierende Präsentation relevanter Zeugnisse (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) als einen in sich geschlossenen analytischen Zugriff auf die Thematik dar, die – wenn ich es recht sehe – bislang in der Forschung abgesehen von der (eingehenden) Diskussion der einzelnen Textstellen kaum in den Blick genommen worden ist. Die Annotation ist bewusst knapp gehalten.
- Xenophon, Anabasis, VII, 5, 13 (Übers.: W. Müri, B. Zimmermann): καὶ οἱ Θρᾷκες οἱ κατὰ ταῦτα οἰκοῦντες στήλας ὁρισάμενοι τὰ καθ᾿ αὑτοὺς ἐκπίπτοντα ἕκαστοι λῄζονται· τέως δὲ ἔλεγον πρὶν ὁρίσασθαι ἁρπάζοντας πολλοὺς ὑπ᾿ ἀλλήλων ἀποθνῄσκειν.
- Vgl. etwa Diener, Hagen 2012; s. auch Peña 2023; Gehrke 2024. Auf die hinsichtlich ihrer Intention wie auch insbesondere in Bezug auf ihre Rezeption überaus problematische, jedoch einflussreiche Arbeit von Haushofer 1927 sei an dieser Stelle aus wissenschaftsgeschichtlichen Gründen verwiesen.
- Vgl. u.a. Sordi 1987; Daverio Rocchi 1988; Lohmann 1994; Rousset 1994; Corcella 1999; Scafuro 2003; Freitag 2007; Cecchet 2009; Prontera 2011, 21-26; Fachard 2018; De Vido 2019; Daubner 2022; Franchi 2023; Funke 2023; Müller – Lucas (mit Buffet) 2023; Rousset 2023, 12-14; Biagetti 2024; Daverio Rocchi 2024. Zur griechischen Terminologie für das Wort Grenze s. Casevitz 1993; Gschnitzer 2001, 335-342.
- Vgl. Drauschke 2019, 369-370 Nr. 106.
- Inscriptiones Graecae IX 1² 1, 188, 3-12 (Übers.: F. Stählin [leicht modifiziert]): ὅρια μὲν εἶμεν τᾶς χώρας Μελιταιέ-ǀ οις καὶ Πηρέοις, ὡς ὁ Ἀκμεὺς ἐμβάλλει ἐν τὸν Εὐρωπόν, καὶ ἀπὸ τοῦ ǀ5 Ἀκμέος ἐν τὰν παγὰν τοῦ Γαλαίου, καὶ ἀπὸ τοῦ Γαλαίου ἐν τὰν Κολώ-ǀναν, καὶ ἀπὸ τᾶς Κολώνας ἐπὶ τὸ Ἑρμαῖον ἐπὶ τὰ Εὐρύνια, καὶ ἀπὸ τῶν Ε[ὐ]-ǀρυνίων κατὰ τῶν ἄκρων, ὡς ὕδωρ ῥεῖ ἐν τὸν Εὐρωπόν, ἐκ τοῦ Εὐρω-ǀποῦ ἐν τὸν Ἐλιπῆ, ἐκ τοῦ Ἐλιπέος ἐν τὸ νέμος τὸ ἄγον ἐν τὰν Ἄ[μπε]-ǀλον, ἀπὸ τᾶς Ἀμπέλου κατὰ τῶν ἄκρων ἐπὶ τὸ Ὕπατον, ἀπὸ ǀ10 v τοῦ Ὑπάτου ἐν τὸν Κερκινῆ, ἀπὸ τοῦ Κερκινέος ἐν ǀ v τὰν Μύνιν, ἀπὸ τᾶς Μύνιος ἐν τὸν Εὐρωπόν, τοῦ Σκαπεταίου ǀ καὶ τοῦ Εὐρωποῦ ἐν τὰν συμβολάν. – Zu dieser Inschrift aus Melitaia (und der fragmentarischen Kopie aus Delphi [Sylloge Inscriptionum Graecarum³ 546B]) s. Ager 1996, 153-157 Nr. 56; Magnetto 1997, 339-348 Nr. 55; Cassayre 2009, 151-154 Nr. 24; zum Grenzverlauf vgl. die Überlegungen von Stählin 1914.
- Aristoteles, Metaphysik, 1022a5-14 (Übers.: H. Bonitz – H. Seidl): Πέρας λέγεται τό τε ἔσχατον ἑκάστου καὶ οὗ ἔξω μηδὲν ἔστι λαβεῖν πρώτου, καὶ οὗ ἔσω πάντα πρώτου, καὶ ὃ ἂν ᾖ εἶδος μεγέθους ἢ ἔχοντος μέγεθος, καὶ τὸ τέλος ἑκάστου (τοιοῦτον δ᾿ ἐφ᾿ ὃ ἡ κίνησις καὶ ἡ πρᾶξις, καὶ οὐκ ἀφ᾿ οὗ· ὁτὲ δὲ ἄμφω, καὶ ἀφ᾿ οὗ καὶ ἐφ᾿ ὃ καὶ τὸ οὗ ἕνεκα), καὶ ἡ οὐσία ἡ ἑκάστου, καὶ τὸ τί ἦν εἶναι ἑκάστῳ· τῆς γνώσεως γὰρ τοῦτο πέρας· εἰ δὲ τῆς γνώσεως, καὶ τοῦ πράγματος. ὥστε φανερὸν ὅτι ὁσαχῶς τε ἡ ἀρχὴ λέγεται, τοσαυταχῶς καὶ τὸ πέρας, καὶ ἔτι πλεοναχῶς· ἡ μὲν γὰρ ἀρχὴ πέρας τι, τὸ δὲ πέρας οὐ πᾶν ἀρχή. – „Grenze heißt das Äußerste eines jeden Dinges sowohl als erstes, außerhalb dessen nichts, als auch als erstes, innerhalb dessen alles ist, und wo es auf Größe geht, die Form derselben oder dessen, was Größe hat; und das Ziel (der Zweck eines jeden Dinges, ein solches nämlich, zu welchem die Bewegung und die Handlung hingeht, nicht von dem sie ausgeht; ferner das Worumwillen und das Wesen und das Sosein eines jeden Dinges; denn dies ist die Grenze der Erkenntnis, wenn aber der Erkenntnis, dann auch der Sache. Daraus erhellt, daß man Grenze in ebenso viel Bedeutungen gebraucht wie Prinzip und in noch mehr Bedeutungen; denn das Prinzip ist eine Grenze, aber nicht jede Grenze ist ein Prinzip.“
- Bildtafel des Kebes 6,1-22,1 mit Hirsch-Luipold 2005 14-18.
- [Aristoteles], Athenaion Politeia, 50.2 (Übers.: M. Chambers): καὶ ὅπως τῶν κοπρολόγων μηδεὶς ἐντὸς ιʹ σταδίων τοῦ τείχους καταβαλεῖ κόπρον ἐπιμελοῦνται. – Zu dieser Stelle s. Chambers 1990, 370 ad loc.; Rhodes 1992, 574-575 ad loc.
- [Aristoteles], Athenaion Politeia, 21.2-4; vgl. auch Owens 1983, bes. 48. Zu den kleisthenischen Reformen und den ihr zugrundeliegenden arithmetischen Prinzipien s. Ismard – Macé 2024.
- Aristoteles, Politik, 1261a22-29. Vgl. in diesem Zusammenhang Funke 2023b, bes. 250-253; s. auch Lehmann 2001, 34-45.
- Platon, Kritias, 110d4-e3 (Übers.: H.-G. Nesselrath): καὶ δὴ καὶ τὸ περὶ τῆς χώρας ἡμῶν πιθανὸν καὶ ἀληθὲς ἐλέγετο, πρῶτον μὲν τοὺς ὅρους αὐτὴν ἐν τῷ τότ᾿ ἔχειν ἀφωρισμένους πρὸς τὸν Ἰσθμὸν καὶ τὸ κατὰ τὴν ἄλλην ἤπειρον μέχρι τοῦ Κιθαιρῶνος καὶ Πάρνηθος τῶν ἄκρων, Eκαταβαίνειν δὲ τοὺς ὅρους ἐν δεξιᾷ τὴν Ὠρωπίαν ἔχοντας, ἐν ἀριστερᾷ δὲ πρὸς θαλάττης ἀφορίζοντας τὸν Ἀσωπόν (…). – Vgl. zu dieser Stelle etwa Daverio Rochi 1988, 184; s. auch Nesselrath 2006, 178-184 ad loc.
- Aristoteles, Politik, 1267b29-30 (Übers.: E. Schütrumpf): (…) πρῶτος τῶν μὴ πολιτευομένων ἐνεχείρησέ τι περὶ πολιτείας εἰπεῖν τῆς ἀρίστης. – Vgl. Schütrumpf 1991, 264-266 ad loc.
- Die intensive Diskussion um Leben und Wirken des Hippodamos sowie die kontrovers diskutierten Fragen nach dem Verhältnis von „theoretischer Reflexion über die Polis und urbanistische[r] Praxis“ sowie „die Frage nach dem Charakter von Hippodamos’ Staatstheorie, vor dem Hintergrund zeitgenössischen politischen Handelns und Denkens“ (Gehrke 2019a, 303) können hier unberücksichtigt bleiben. Vgl. in diesem Zusammenhang neben Gehrke 2019a an neueren Arbeiten etwa Schubert 2010; Zenzen 2014; Barbera 2017; Greco 2018; Caliò 2021.
- Aristoteles, Politik, 1267b33-37 (Übers.: E. Schütrumpf): διῄρει δ᾿ εἰς τρία μέρη τὴν χώραν, τὴν μὲν ἱερὰν τὴν δὲ δημοσίαν τὴν δ᾿ ἰδίαν· ὅθεν μὲν τὰ νομιζόμενα ποιήσουσι πρὸς τοὺς θεούς, ἱεράν, ἀφ᾿ ὧν δ᾿ οἱ προπολεμοῦντες βιώσονται, κοινήν, τὴν δὲ τῶν γεωργῶν ἰδίαν. – Vgl. Schütrumpf 1991, 266-267 ad loc.
- Die in der Forschung immer wieder erörterte Frage, ob die vier von Stobaios überlieferten Fragmente der pseudopythagoreischen Schrift peri politeias Inhalte von Hippodamos’ Schrift wiedergeben (Stobaios, 4,1,93, p. 28-29, 4,1,94, p. 29-33, 4,1,95, p. 33-36, 4,34,71, p. 846-848 Hense = Hippodamos, De republica, 1-4 [p. 97-102] Thesleff), kann hier auf sich beruhen, da die Fragmente nicht die Dreiteilung des Landes zum Gegenstand haben. Vgl. in diesem Zusammenhang etwa Schubert 2010, bes. 385-386.
- Theophrast, Charaktere, 10,9: καὶ τοὺς ὅρους δ᾿ ἐπισκοπεῖσθαι ὁσημέραι εἰ διαμένουσιν οἱ αὐτοί. – Vgl. dazu Diggle 2004, 308 ad loc. Zu horoi s. auch Harris 2013.
- Platon, Gesetze, 842e6-843b6 (Übers.: K. Schöpsdau): Πρῶτον δὴ νόμοι ἔστωσαν λεγόμενοι τοὔνομα γεωργικοί. Διὸς ὁρίου μὲν πρῶτος νόμος ὅδε εἰρήσθω· μὴ κινείτω γῆς ὅρια μηδεὶς μήτε οἰκείου πολίτου γείτονος μήτε ὁμοτέρμονος, ἐπ᾿ ἐσχατιᾶς κεκτημένος ἄλλῳ ξένῳ γειτονῶν, νομίσας τὸ τἀκίνητα κινεῖν ἀληθῶς τοῦτο εἶναι· βουλέσθω δὲ πᾶς πέτρον ἐπιχειρῆσαι κινεῖν τὸν μέγιστον ἄλλον πλὴν ὅρον μᾶλλον ἢ σμικρὸν λίθον ὁρίζοντα φιλίαν τε καὶ ἐχθρὰν ἔνορκον παρὰ θεῶν· τοῦ μὲν γὰρ ὁμόφυλος Ζεὺς μάρτυς, τοῦ δὲ ξένιος, οἳ μετὰ πολέμων τῶν ἐχθίστων ἐγείρονται· καὶ ὁ μὲν πεισθεὶς τῷ νόμῳ ἀναίσθητος τῶν ἀπ᾿ αὐτοῦ κακῶν γίγνοιτ᾿ ἄν, καταφρονήσας δὲ διτταῖς δίκαις ἔνοχος ἔστω, μιᾷ μὲν παρὰ θεῶν καὶ πρώτῃ, δευτέρᾳ δὲ ὑπὸ νόμου. μηδεὶς γὰρ ἑκὼν κινείτω γῆς ὅρια γειτόνων· ὃς δ᾿ ἂν κινήση, μηνυέτω μὲν ὁ βουλόμενος τοῖς γεωμόροις, οἱ δὲ εἰς τὸ δικαστήριον ἀγόντων· ἢν δέ τις ὄφλῃ τὴν τοιαύτην δίκην, ὡς ἀνάδαστον γῆν λάθρᾳ καὶ βίᾳ ποιοῦντος τοῦ ὀφλόντος, τιμάτω τὸ δικαστήριον ὅ τι ἂν δέῃ πάσχειν ἢ ἀποτίνειν τὸν ἡττηθέντα. – Vgl. zu dieser Stelle Schöpsdau 2011, 216-218 ad loc.; s. auch Piérart 2008, 410-411.
- Zu Zeus Horios vgl. Lebreton 2019.
- Platon, Gesetze, 843b7-844a1 (Übers. K. Schöpsdau): τὸ δὲ μετὰ τοῦτο βλάβαι πολλαὶ καὶ σμικραὶ γειτόνων γιγνόμεναι, διὰ τὸ θαμίζειν ἔχθρας ὄγκον μέγαν ἐντίκτουσαι, χαλεπὴν καὶ σφόδρα πικρὰν γειτονίαν ἀπεργάζονται. διὸ χρὴ πάντως εὐλαβεῖσθαι γείτονα γείτονι μηδὲν ποιεῖν διάφορον, τῶν τε ἄλλων πέρι καὶ δὴ καὶ ἐπεργασίας ξυμπάσης σφόδρα διευλαβούμενον· τὸ μὲν γὰρ βλάπτειν οὐδὲν χαλεπόν, ἀλλ᾿ ἀνθρώπου παντός, τὸ δ᾿ ἐπωφελεῖν οὐδαμῇ ἅπαντος. ὃς δ᾿ ἂν ἐπεργάζηται τὰ τοῦ γείτονος ὑπερβαίνων τοὺς ὅρους, τὸ μὲν βλάβος ἀποτινέτω, τῆς δὲ ἀναιδείας ἅμα καὶ ἀνελευθερίας ἕνεκα ἰατρευόμενος διπλάσιον τοῦ βλάβους ἄλλο ἐκτισάτω τῷ βλαφθέντι. τούτων δὲ καὶ ἁπάντων τῶν τοιούτων ἐπιγνώμονές τε καὶ δικασταὶ καὶ τιμηταὶ γιγνέσθων ἀγρονόμοι, τῶν μὲν μειζόνων, καθάπερ ἐν τοῖς πρόσθεν εἴρηται, πᾶσα ἡ τοῦ δωδεκατημορίου τάξις, τῶν ἐλαττόνων δὲ οἱ φρούραρχοι τούτων. καὶ ἐάν τις βοσκήματα ἐπινέμῃ, τὰς βλάβας ὁρῶντες κρινόντων καὶ τιμώντων. καὶ ἐὰν ἑσμοὺς ἀλλοτρίους σφετερίζῃ τις τῇ τῶν μελιττῶν ἡδονῇ ξυνεπόμενος, καὶ κατακρούων οὕτως οἰκειῶται, τινέτω τὴν βλάβην. καὶ ἐὰν πυρεύων τὴν ὕλην μὴ διευλαβηθῇ τὴν τοῦ γείτονος, τὴν δόξασαν ζημίαν τοῖς ἄρχουσι ζημιούσθω. καὶ ἐὰν φυτεύων μὴ ἀπολείπῃ τὸ μέτρον τῶν τοῦ γείτονος χωρίων, καθάπερ εἴρηται καὶ πολλοῖς νομοθέταις ἱκανῶς, ὧν τοῖς νόμοις χρὴ προσχρῆσθαι καὶ μὴ πάντα ἀξιοῦν πολλὰ καὶ σμικρὰ καὶ τοῦ ἐπιτυχόντος νομοθέτου γιγνόμενα τὸν μείζω πόλεως κοσμητὴν νομοθετεῖν. – Vgl. zu dieser Stelle Schöpsdau 2011, 218-221 ad loc.; s. auch Piérart 2008, 408-410.
- Platon, Gesetze, 745b3-d4 (Übers.: K. Schöpsdau): τὸ δὴ μετὰ τοῦτο, πρῶτον μὲν τὴν πόλιν ἱδρῦσθαι δεῖ τῆς χώρας ὅτι μάλιστα ἐν μέσῳ, καὶ τἆλλα ὅσα πρόσφορα πόλει τῶν ὑπαρχόντων ἔχοντα τόπον ἐκλεξάμενον, ἃ νοῆσαί τε καὶ εἰπεῖν οὐδὲν χαλεπόν· μετὰ δὲ ταῦτα μέρη δώδεκα διελέσθαι, θέμενον Ἑστίας πρῶτον καὶ Διὸς καὶ Ἀθηνᾶς ἱερόν, ἀκρόπολιν ὀνομάζοντα, κύκλον περιβάλλοντα, ἀφ᾿ οὗ τὰ δώδεκα μέρη τέμνειν τήν τε πόλιν αὐτὴν καὶ πᾶσαν τὴν χώραν. ἴσα δὲ δεῖ γίγνεσθαι τὰ δώδεκα μέρη τῷ τὰ μὲν ἀγαθῆς γῆς εἶναι σμικρά, τὰ δὲ χείρονος μείζω. κλήρους δὲ διελεῖν τετταράκοντα καὶ πεντακισχιλίους, τούτων τε αὖ δίχα τεμεῖν ἕκαστον καὶ ξυγκληρῶσαι δύο τμήματα, τοῦ τ᾿ ἐγγὺς καὶ τοῦ πόῤῥω μετέχοντα ἑκάστοτε· τὸ πρὸς τῇ πόλει μέρος τῷ πρὸς τοῖς ἐσχάτοις [εἷς κλῆρος] καὶ τὸ δεύτερον ἀπὸ πόλεως τῷ ἀπ᾿ ἐσχάτων δευτέρῳ, καὶ τἆλλα οὕτω πάντα. μηχανᾶσθαι δὲ καὶ ἐν τοῖς δίχα τμήμασι τὸ νῦν δὴ λεγόμενον φαυλότητός τε <πέρι> καὶ ἀρετῆς χώρας, ἐπανισουμένους τῷ πλήθει τε καὶ ὀλιγότητι τῆς διανομῆς. – Vgl. dazu Schöpsdau 2003, 336-342 ad loc.; Piérart 2008, 15-17.
- Vgl. allgemein Muthmann 1961 sowie Müller 1988 (393: „Philosophisches Denken entfaltet sich anscheinend besser ἔξω τεῖχους »außerhalb der Mauer« […]“) und Männlein-Robert, Schelske 2012, 60-61 Anm. 2 u. 3.
- Vgl. dazu Platon, Gesetze, 778d3-779b7 mit Schöpsdau 2003, 471-473 ad loc.
- So Aristoteles, Politik, 1330b32-33 mit Schütrumpf 2005, 420-423 ad loc.
- Platon, Gesetze, 778c4-6 (Übers.: K. Schöpsdau): τὰ μὲν τοίνυν ἱερὰ πᾶσαν πέριξ τήν τε ἀγορὰν χρὴ κατασκευάζειν καὶ τὴν πόλιν ὅλην ἐν κύκλῳ πρὸς τοῖς ὑψηλοῖς τῶν τόπων (…).
- Vgl. einerseits etwa Piérart 2008, 19-21 und Funke 2023c, 81-83 sowie andererseits etwa Saunders 1976 und Schöpsdau 2003, 470-471 ad loc.
- Platon, Gesetze, 760d4-761a3 (Übers.: K. Schöpsdau): ἐν δὲ δὴ ταῖς διατριβαῖς τῷ τόπῳ ἑκάστῳ τὴν ἐπιμέλειαν εἶναι τοιάνδε τινά· πρῶτον μὲν ὅπως εὐερκὴς ἡ χώρα πρὸς τοὺς πολεμίους ὅτι μάλιστα ἔσται, ταφρεύοντάς τε ὅσα ἂν τούτου δέῃ καὶ ἀποσκάπτοντας καὶ ἐνοικοδομήμασιν εἰς δύναμιν εἴργοντας τοὺς ἐπιχειροῦντας ὁτιοῦν τὴν χώραν καὶ τὰ κτήματα κακουργεῖν, χρωμένους δ᾿ ὑποζυγίοις καὶ τοῖς οἰκέταις τοῖς ἐν τῷ τόπῳ ἑκάστῳ πρὸς ταῦτα, δι᾿ ἐκείνων ποιοῦντας, ἐκείνοις ἐπιστατοῦντας, τῶν οἰκείων ἔργων αὐτῶν ἀργίας ὅτι μάλιστα ἐκλεγομένους. – Vgl. zu dieser Textpassage Schöpsdau 2003, 404-409 ad loc.; Piérart 2008, 270-271.
- Vgl. in diesem Zusammenhang Platon, Gesetze, 778e2-7 (Übers. K. Schöpsdau): τὸ δ᾿ ἡμέτερον ἔτι πρὸς τούτοις γέλωτ᾿ ἂν δικαίως πάμπολυν ὄφλοι, τὸ κατ᾿ ἐνιαυτὸν μὲν ἐκπέμπειν εἰς τὴν χώραν τοὺς νέους, τὰ μὲν σκάψοντας, τὰ δὲ ταφρεύσοντας, τὰ δὲ καὶ διά τινων οἰκοδομήσεων εἴρξοντας τοὺς πολεμίους, ὡς δὴ τῶν ὅρων τῆς χώρας οὐκ ἐάσοντας ἐπιβαίνειν (…). – „[W]ir aber würden außerdem noch mit Recht gewaltiges Gelächter ernten, wenn wir einerseits alljährlich die jungen Leute ins Land hinaussenden, damit sie teils ausheben, teils Gräben ziehen, teils auch durch bestimmte Bauten die Feinde abhalten, natürlich um sie nicht die Landesgrenzen überschreiten zu lassen (…).“
- Aristoteles, Politik, 1265a10-a29 (Übers.: E Schütrumpf): τὸ μὲν οὖν περιττὸν ἔχουσι πάντες οἱ τοῦ Σωκράτους λόγοι καὶ τὸ κομψὸν καὶ τὸ καινοτόμον καὶ τὸ ζητητικόν, καλῶς δὲ πάντα ἴσως χαλεπόν· ἐπεὶ καὶ τὸ νῦν εἰρημένον πλῆθος δεῖ μὴ λανθάνειν ὅτι χώρας δεήσει τοῖς τοσούτοις Βαβυλωνίας ἤ τινος ἄλλης ἀπεράντου τὸ πλῆθος, ἐξ ἧς ἀργοὶ πεντακισχίλιοι θρέψονται καὶ περὶ τούτους γυναικῶν καὶ θεραπόντων ἕτερος ὄχλος πολλαπλάσιος. δεῖ μὲν οὖν ὑποτίθεσθαι κατ᾿ εὐχήν, μηδὲν μέντοι ἀδύνατον. λέγεται δ᾿ ὡς δεῖ τὸν νομοθέτην πρὸς δύο βλέποντα τιθέναι τοὺς νόμους, πρός τε τὴν χώραν καὶ τοὺς ἀνθρώπους. ἔτι δὲ καλῶς ἔχει προσθεῖναι καὶ πρὸς τοὺς γειτνιῶντας τόπους, εἰ δεῖ τὴν πόλιν ζῆν βίον πολιτικόν (οὐ γὰρ μόνον ἀναγκαῖόν ἐστιν αὐτὴν τοιούτοις χρῆσθαι πρὸς τὸν πόλεμον ὅπλοις ἃ χρήσιμα κατὰ τὴν οἰκείαν χώραν ἐστὶν ἀλλὰ καὶ πρὸς τοὺς ἔξω τόπους)· εἰ δέ τις μὴ τοιοῦτον ἀποδέχεται βίον μήτε τὸν ἴδιον μήτε τὸν κοινὸν τῆς πόλεως, ὅμως οὐδὲν ἧττον δεῖ φοβεροὺς εἶναι τοῖς πολεμίοις μὴ μόνον ἐλθοῦσιν εἰς τὴν χώραν ἀλλὰ καὶ ἀπελθοῦσιν. καὶ τὸ πλῆθος δὲ τῆς κτήσεως ὁρᾶν δεῖ, μήποτε βέλτιον ἑτέρως διορίσαι τῷ σαφῶς μᾶλλον. – Vgl. dazu Schütrumpf 1991, 221-226 ad loc.; Pezzoli, Moggi 2012, 235-240 ad loc.
- Aristoteles, Politik, 1329b36-1330a25 (Übers.: E. Schütrumpf): Ὅτι μὲν οὖν δεῖ τὴν χώραν εἶναι τῶν ὅπλα κεκτημένων καὶ τῶν τῆς πολιτείας μετεχόντων, εἴρηται πρότερον, καὶ διότι τοὺς γεωργοῦντας αὐτῶν ἑτέρους εἶναι δεῖ, καὶ πόσην τινὰ χρὴ καὶ 40ποίαν εἶναι τὴν χώραν· περὶ δὲ τῆς διανομῆς καὶ τῶν γεωργούντων, τίνας καὶ ποίους εἶναι χρή, λεκτέον πρῶτον, ἐπειδὴ οὔτε κοινήν φαμεν εἶναι aδεῖν τὴν κτῆσιν, ὥσπερ τινὲς εἰρήκασιν, ἀλλὰ τῇ χρήσει φιλικῶς γινομένην κοινήν, οὔτ᾿ ἀπορεῖν οὐθένα τῶν πολιτῶν τροφῆς. (…) ἀναγκαῖον τοίνυν εἰς δύο μέρη διῃρῆσθαι τὴν χώραν, καὶ τὴν μὲν εἶναι κοινὴν τὴν δὲ τῶν ἰδιωτῶν, καὶ τούτων ἑκατέραν διῃρῆσθαι δίχα πάλιν, τῆς μὲν κοινῆς τὸ μὲν ἕτερον μέρος εἰς τὰς πρὸς τοὺς θεοὺς λειτουργίας, τὸ δὲ ἕτερον εἰς τὰς τῶν συσσιτίων δαπάνην, τῆς δὲ τῶν ἰδιωτῶν τὸ ἕτερον μέρος τὸ πρὸς τὰς ἐσχατιάς, ἕτερον δὲ τὸ πρὸς τὴν πόλιν, ἵνα δύο κλήρων ἑκάστῳ νεμηθέντων ἀμφοτέρων τῶν τόπων πάντες μετέχωσιν. τό τε γὰρ ἴσον οὕτως ἔχει καὶ τὸ δίκαιον καὶ τὸ πρὸς τοὺς ἀστυγείτονας πολέμους ὁμονοητικώτερον. ὅπου γὰρ μὴ τοῦτον ἔχει τὸν τρόπον, οἱ μὲν ὀλιγωροῦσι τῆς πρὸς τοὺς ὁμόρους ἔχθρας οἱ δὲ λίαν φροντίζουσι καὶ παρὰ τὸ καλόν. διὸ παρ᾿ ἐνίοις νόμος ἐστὶ τοὺς γειτνιῶντας τοῖς ὁμόροις μὴ συμμετέχειν βουλῆς τῶν πρὸς αὐτοὺς πολέμων, ὡς διὰ τὸ ἴδιον οὐκ ἂν δυναμένους βουλεύσασθαι καλῶς. τὴν μὲν οὖν χώραν ἀνάγκη διῃρῆσθαι τὸν τρόπον τοῦτον διὰ τὰς προειρημένας αἰτίας. – Vgl. Schütrumpf 2005, 401-406 ad loc. Der Passus Aristoteles, Politik 1330a14-16 ist aufgenommen in [Areios] Didymos, Epitome peripatetischer Ethik Sec. 27 Tsouni (ap. Stobaios, Eklogen 152,13-16 Wachsmuth).
- Aristoteles, Politik, 1321b18-25 (Übers.: E. Schütrumpf): ἑτέρα δὲ ἐπιμέλεια ταύτης ἐχομένη καὶ σύνεγγυς ἡ τῶν περὶ τὸ ἄστυ δημοσίων καὶ ἰδίων, ὅπως εὐκοσμία ᾖ καὶ τῶν πιπτόντων οἰκοδομημάτων καὶ ὁδῶν σωτηρία καὶ διόρθωσις, καὶ τῶν ὁρίων τῶν πρὸς ἀλλήλους, ὅπως ἀνεγκλήτως ἔχωσιν, καὶ ὅσα τούτοις ἄλλα τῆς ἐπιμελείας ὁμοιότροπα. καλοῦσι δ᾿ ἀστυνομίαν οἱ πλεῖστοι τὴν τοιαύτην ἀρχήν. – Vgl. zu dieser Stelle Schütrumpf, Gehrke 1996, 657 ad loc.
- [Aristoteles], Athenaion politeia, 50,2. Vgl. zu dieser Textstelle Rhodes 1992, 572-573 ad loc.
- Zu den attischen horistai (bezeugt in Inscriptiones Graecae I³ 84, Z. 7 [418/7]; Inscriptiones Graecae II² 1177, Z. 22 [Mitte des 4. Jh.s]; Inscriptiones Graecae II² 1180, Z. 8-9; Mitte des 4. Jh.s]; Hypereides, Für Euxenippos, 16 [um 330]) s. Papazarkadas 2011, 21, 46-47, 103, 107, 128-129; Knoepfler 2010 [2012], 444-448; Fachard 2016, 196.
- Vgl. hierzu und zum folgenden Mann 2001, 67-68; Ellis-Evans 2017, 35-37; s. auch Piccirilli 1973, 28-35 Nr. 7.
- Diogenes Laertios, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, I, 74 (= Brills New Jacoby² 76 Duris von Samos F 75 = Brills New Jacoby 244 Apollodoros von Athen F 27a) (Übers.: F. Jürß): καὶ περὶ τῆς Ἀχιλλείτιδος χώρας μαχομένων Ἀθηναίων καὶ Μυτιληναίων ἐστρατήγει μὲν αὐτός, Ἀθηναίων δὲ Φρύνων παγκρατιαστὴς Ὀλυμπιονίκης. συνέθετο δὴ μονομαχῆσαι πρὸς αὐτόν· καὶ δίκτυον ἔχων ὑπὸ τὴν ἀσπίδα λαθραίως περιέβαλε τὸν Φρύνωνα, καὶ κτείνας ἀνεσώσατο τὸ χωρίον. ὕστερον μέντοι φησὶν Ἀπολλόδωρος ἐν τοῖς Χρονικοῖς διαδικασθῆναι τοὺς Ἀθηναίους περὶ τοῦ χωρίου πρὸς τοὺς Μυτιληναίους, ἀκουοντος τῆς δίκης Περιάνδρου, ὃν καὶ τοῖς Ἀθηναίοις προσκρῖναι.
- Eratosthenes, Georgraphie F 33(7) Roller apud Strabon, Geographie 1.4.7.
- Für eine Zusammenstellung der Quellen sowie einige sehr knappe Bemerkungen zum Geschehen s. Canali de Rossi 1997, 99-103 Nr. 136; s. auch Piccirilli 1973, 178-180 Nr. 45; Ager 1996, 387-388 Nr. 141. Zum Konflikt um Oropos s. Habicht 2006, 291-296; Knoepfler 2010 [2012].
- Vgl. etwa Powell 2013. S. auch Gruen 1984, 257-258, 341-342; Haake 2007, 106-137; Ferrary 2014, 351-363; Haake 2026.
- Inscriptiones Graecae II² 3781 = Sylloge Inscriptionum Graecarum³ 666 und Inschriften von Olympia Supplement 53 (Hallof et al. 2012, 229-231) mit Haake 2007, 110-115, 255-259.
- Vgl. zur koine eirene etwa Jehne 1994.
- Vgl. dazu etwa Funke 2018.
- Vgl. in diesem Zusammenhang etwa Gehrke 2019b; s. auch Winterling 1993.